Ulrich Krömer, Dipl.-Pädagoge
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Abstinenznachweise

Wenn es in Ihrer MPU um eine Alkohol- oder Drogenfragestellung geht, sollten Sie sich darüber informieren, ob bei Ihnen ein Nachweis über die Alkoholabstinenz bzw. ein Nachweis über die Drogenfreiheit (Abstinenznachweis) verlangt wird.

Diese Frage läßt sich nicht immer so leicht entscheiden. Ich kann Ihnen hier nur einige Anhaltspunkte geben.

Mein Rat: Bitte vereinbaren Sie ein Informationsgespräch (mit einem erfahrenen Verkehrstherapeuten), um diese Frage in Ruhe und gründlich zu klären.

Wenn es um eine Drogenfragestellung geht, ist ein Abstinenznachweis zwingend erforderlich. Bei einer Alkoholfragestellung ist eine nachgewiesene Abstinenz nicht in jedem Fall erforderlich.

Wann ein Abstinenznachweis erforderlich ist und für welchen Zeitraum (ein ganzes oder ein halbes Jahr), hängt u.a. ab

  • von der Art der konsumierten Substanz (Alkohol, “nur” Cannabis, harte Drogen)
  • von der Ausprägung des Konsums (Häufigkeit, Dauer insgesamt, konsumierte Mengen, Auswirkungen auf berufliche und private Beziehungen, etc.)

Nachfolgend einige grundlegende Informationen, die jedoch eine individuelle Beratung bei einem erfahrenen Verkehrstherapeuten nicht ersetzen können:

Alkohol

  • Bei (diagnostizierter) Alkoholabhängigkeit sowie bei vorangegangenem schweren Alkoholmißbrauch muß ein Jahr Abstinenz nachgewiesen werden, und zwar durch ein sog. ETG-screening (entweder sechs Urinkontrollen oder vier Haarproben à 3 cm innerhalb eines Jahres).
  • Bei einem Alkoholmißbrauch, der vom Gutachter als Alkoholgefährdung eingestuft wird, muß durch unauffällige Leberwerte nachgewiesen werden, daß kein Alkoholmißbrauch mehr stattfindet. Sind die Leberwerte trotz Abstinenz oder deutlich reduzierten Alkoholkonsums immer noch erhöht, muß nachgewiesen werden, daß die Erhöhung der Werte nicht alkoholbedingt ist sondern daß andere medizinische Ursachen vorliegen.

Drogen

  • Bei diagnostizierter Drogenabhängigkeit muß ein Jahr Drogenfreiheit durch ein Drogen-screening (sechs Urinkontrollen oder zwei Haarproben à 6 cm) nachgewiesen werden. Hier wird zusätzlich auch der Nachweis der Alkoholabstinenz (ebenfalls über ein Jahr) durch ein ETG-screening gefordert.
  • Geht es um den Konsum harter Drogen (Kokain, Heroin, Amphetamine, etc.), ohne daß eine Abhängigkeit diagnostiziert wurde, muß in der Regel ein Jahr Drogenfreiheit durch ein Drogen-screening (sechs Urinkontrollen oder zwei Haarproben à 6 cm) nachgewiesen werden. Wenn es zusätzlich Anhaltspunkte für einen früheren Alkoholmißbrauch gibt, wird auch hier ein einjähriger Nachweis über die Alkoholabstinenz gefordert.
  • Wurde ausschließlich Cannabis konsumiert, kann auch ein einjähriger Nachweis der Drogenfreiheit verlangt werden, und zwar dann, wenn der Konsum die Merkmale einer fortgeschrittenen Dogenproblematik erfüllt.
  • Geht es ausschließlich um den Konsum von Cannabis (ohne Entwicklung einer Abhängigkeit / einer fortgeschrittenen Drogenproblematik), wird in der Regel ein Nachweis der Drogenfreiheit über 3 – 6 Monate durch ein Drogen-screening gefordert. Wichtig: Das screening muß sich auf das komplette Spektrum der illegalen Drogen erstrecken – nicht bloß auf Cannabis-Abbauprodukte.

Haaranalyse als Abstinenznachweis

  • Bei Drogen kann mittels Haaranalyse rückwirkend ein Zeitraum bis zu sechs Monaten beurteilt werden. Bei einem angenommenen Wachstum von 1 cm / Monat braucht es dazu mindestens 7 cm lange Haare. Wenn Sie ein Jahr Drogenfreiheit nachweisen müssen, brauchen Sie dazu also zwei Haarproben.
  • Bei Alkohol kann mittels Haaranalyse ein Zeitraum von maximal drei Monaten rückwirkend beurteilt werden. Wenn Sie ein Jahr Abstinenz nachweisen müssen, brauchen Sie dazu also 4 Haarproben.

Noch einmal: Die vorstehenden Hinweise können und wollen eine persönliche und differenzierte Beratung nicht ersetzen. Diese ist beim Thema “Abstinenznachweise” unbedingt ratsam.